Junger Vater, dauermüde und breibekleckert

Junger Vater, dauermüde und breibekleckert


Der Schauspieler Florian Hacke redet und singt im Theater Combinale übers Papasein und erbauliche Pekip-Kurse 

 

Der Mann ist Vater geworden. Das allein wäre ja noch kein Beinbruch. Doch er ist in Elternzeit! Und seine Frau studiert! Also gibt nahezu jeder ungefragt seinen Senf zur Familiengründung dazu. Freunde, Verwandte, die Kerle im Papakursus und sogar die innere Stimme sind in Sorge: Die Schwangerschaft? Ungünstiger Zeitpunkt, oder? Er in Elternzeit? Aha, Karriereknick! Sie studiert? Wie soll bloß das Geld reinkommen?

Zum Glück ist der Mann Schauspieler. Also muss er sich nicht still grämen am Wickeltisch oder am Lenker des Kinderwagens – der ebenfalls bekrittelt wird, denn das gute Stück ist blau, das Kind darin aber, unfassbar, ein Mädchen! Florian Hacke hat aus all dem, was die Vaterrolle so besonders, nervenaufreibend, witzig, anrührend und furchterregend macht, einen kurzweiligen Abend gestaltet. „Hasenkind du stinkst“ ist ein Kraftakt, den Hacke niemals als solchen spürbar werden lässt. Er schimpft und singt, schreit und säuselt. Er lässt skurrile Vatertypen auftreten und nimmt sein Publikum mit an die Orte seines Leidens. Den Pekip-Kursus übersetzt er mit „Papa ermöglicht Krabbeln in Pipi“, das dort so schräg gesungene Kinderlied hat eine unüberhörbare „Spiel mir das Lied vom Tod“-Note. Hacke ist sich außerdem sicher, dass Sartre „Die Hölle, das sind die anderen“ schrieb, als er vom Babyschwimmen kam. Überhaupt schlägt das pure Glücksgefühl schnell um ins nackte Grauen: Die Hasenkind-Vorlesestunde gerät zum Heavy-Metal-Gewitter, bei dem das arme Hasenkind als Ragout endet. Und wenn der junge Vater von seinen falsch verstandenen Verbrüderungsversuchen mit Gleichgesinnten berichtet - "Ich falle nie wieder auf einen Wochenendpapa herein, ich will was Festes!“ -, kugelt das Publikum vor Lachen fast die abfallenden Sitzreihen im Combinale herunter.

Florian Hacke bietet bei seiner Ein-Vater-Show weit mehr als das absehbare Hangeln von Windel-Lacher zu Quick-Sex-Kracher – weshalb die Seitenhiebe auf Mario Barth besonders gut ankommen. Sein Spagat zwischen Hingerissen- und Genervtsein endet mit bitterbösen Einlassungen über die Geschlechterrollen, etwas staatstragend geratenen Kommentaren zur juristischen Aufarbeitung von Vergewaltigungen – und dieser Erkenntnis: Fürs gedeihliche Vatersein braucht’s eigentlich nur eine gute Kaffeemaschine und Zeit.
 

Sabine Räth 

(Lübecker Nachrichten, 19.05.2017)


 

Neu im Combinale: Junger Papa in Elternzeit

Florian Hacke war viele Jahre Ensemblemitglied am Lübecker Theater. Jetzt ist er in seine frühere Wahlheimat zurückgekehrt, und zwar mit seinem ersten Soloprogramm. Sigrid Dettlof hat den Text im Theater Combinale inszeniert.

"Hasenkind, du stinkst!" heißt der Abend. Untertitel: "Bin ich ein guter Vater?" Der Schauspieler hat für seine Ein-Mann-Show ein Thema gewählt, bei dem Erlebtes und Erlittenes zu einem wunderbar ausgeglichenen Programm zusammengewachsen sind: Die Geburt seiner Tochter und die Elternzeit, zu der sich der stolze Vater entschließt. Er ist zur Zeit sowieso ohne festes Engagement; vom Casting für eine Bierwerbung abgesehen. Seine Frau will ihr Studium zu Ende führen. Und modern ist es auch! Vielleicht hatte der werdende Vater noch den Gedanken im Hinterkopf: Das bisschen Baby macht sich fast allein... 

 

Vater Florian merkt sehr schnell, dass das nicht mit Links geht, denn auch Babys haben schon ihren eigenen Kopf. Und vielerlei Bedürfnisse. Das Babyfon löst die Probleme nicht. Man kann es sich durchaus vorstellen, wie das ist – als einziger Mann beim Kinderarzt. Oder beim Babyschwimmen zwischen all den Müttern. Oder in der PEKiP-Gruppe, im "Prager-Eltern-Kind-Programm", für das eine Lübecker Erziehungsberatung auf der Internetseite als Erklärung hinzufügt: Mutter-Kind-Kurse. Eben: Mutter und Kind. Vater und Kind ist natürlich möglich. Aber noch selten. 

 

Da stößt man – zumindest auf der Bühne – auf eine Kursleiterin, die fast wie in der Kaserne befiehlt: Ein Lied! Drei, vier! In der Fußgängerzone geht es weiter. Ein Baby im Tragetuch ist ein echter Oma-Magnet: Kriegt das Kleine denn auch Luft?! Oder erst auf dem Spielplatz neben all den Mamis. Und dann ein Baby, das immer Mama statt Papa sagt. Vermutlich, weil sich das leichter sprechen lässt. 

 

Florian Hacke trägt das locker und engagiert vor, humorvoll und trotzdem nicht alles ins Lächerliche ziehend. Schöne eigene Lieder sind eingebaut, und auch die Singstimme sitzt. Die Dialoge mit dem eigenen Ich, der Stimme vom Band, müssen sitzen, weil man hier sofort jede Panne merken würde. Nicht, dass das der Weltuntergang wäre. Das könnte man überspielen und hätte immer die Lacher auf seiner Seite. Aber es muss ja nicht sein. 

 

Sigrid Dettlof als Regisseurin kennt das Theater und ihr Haus. Sie weiß, wie man aus Erzählstücken einen abwechslungsreichen Theaterabend baut; mit Gängen, Pausen, leisen und lauten Stellen, Temposteigerungen und besinnlicheren Momenten. Florian Hacke spielt sein "Schicksal" charmant, jungenhaft, sympathisch. Den Schlusssatz als Antwort auf die Frage "Wie erzieht man ein Kind?" könnte man auch auf andere Bereiche des Miteinanders im Leben übertragen: Mit Humor, mit Liebe und mit Zeit! 

 

Nicht nur werdenden oder jungen Eltern ist der Abend wärmstens zu empfehlen.

HL-live.de


 

Theater Combinale Lübeck: "Hasenkind du stinkst"

Theater auf der NDR 1 Welle Nord 18.05.2017 20:05 Uhr Autor/in: Katrin Bohlmann

Schauspieler und Papa Florian Hacke erzählt von Erlebnissen in der Elternzeit. Lustig, charmant und mit vielen Songs. Ein Muss für alle Eltern - oder die es noch werden wollen.

 

Hasenkind-du-stinkst_NDR_Welle Nord.html